You are hereWarum Eulen rauchen - chronischer chronobiologischer Jetlag

Warum Eulen rauchen - chronischer chronobiologischer Jetlag


Chronobiologischer Jetlag fördert Drogenkonsum

Menschen ticken unterschiedlich, und so auch ihre inneren Uhren. Und der Rhythmus, in dem die innere Uhr sich befindet, hat starke Auswirkungen auf Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit. Ein Schlaf- und Wachrhythmus, der nicht zu den üblichen Schul- oder Arbeitszeiten passt, steigert die Neigung zu Kaffee, Zigaretten, alkoholischen Getränken und weiteren Drogen.

Die sogenannten Eulen sind ausgemachte Langschläfer. Sie werden erst spät am Tag wirklich wach. Da dies nicht zu den Anforderungen des Schul- und Arbeitslebens passt und ihre Aufmerksamkeit von Lehrer, Kollegen oder Chef gefordert wird, sind Kaffee, Nikotin oder Energy Drinks verbreitete Wachmacher. Dahinter steckt der Zwang, sich an den sozial akzeptierten Rhythmus anpassen zu müssen.
Stellt sich dann abends nicht die gewünschte Müdigkeit ein, wird auch schon mal mit Alkohol nachgeholfen.

Die frühen Vögel, auch Lerchen genannt, sind morgens schon früh wach, einsatzbereit und gut gelaunt. In Alltag und Arbeitsleben haben es die Lerchen tendenziell leichter, denn Ihr Schlaf-Wach-Rhythmus entspricht dem unseres kulturellen Wertesystems.
Dafür machen die Lerchen dann abends schlapp, wenn die Feier der Eulen im Freundeskreis langsam in Gang kommt. Hält die Lerche trotzdem durch und geht nach der Feier zu schlaftrunkener Stunde ins Bett, so bringt der chronobiologische Rhythmus sie schon zur gewohnt frühen Stunde aus dem Bett und damit ist Müdigkeit für die folgenden Tage vorbestimmt.

Das Forscherteam um Dr. Till Roenneberg am Zentrum für Chronobiologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München beschäftigt sich seit Jahren mit dem Problem der unterschiedlichen Wachrhythmen. Mehr als 500 Versuchspersonen haben sie zu ihrem Chronotyp, dem Wohlbefinden in unterschiedlichen Lebenssituationen und dem Konsum von Koffein, Nikotin sowie Alkohol befragt. Die Ergebnisse dieses EuClock-Experiments, veröffentlicht im "Chronobiology International", sprechen eine deutliche Sprache: Chronischer chronobiologischer Jetlag steigert den Konsum von Drogen.

Wesentliche Stütze der Studie war die Befragung der Teilnehmer nach den tatsächlichen Schlaf- und Wachzeiten an Arbeits- und freien Tagen. Daraus kann zunächst der der Chronotyp der Person bestimmt werden.
Zweiter Bestandteil war die Analyse der Schlafqualität, dem psychologischen Wohlbefinden sowie zum Konsum von Koffein, Nikotin und Alkohol und weiteren Substanzen. "Das gab uns die Möglichkeit, die Verbindung zwischen sozialem Jetlag, Schlafqualität, psychologischem Wohlbefinden und dem Genuss von stimulierenden Substanzen zu erforschen", so Roenneberg. "Wir konnten zeigen, dass der Konflikt zwischen der biologischen Uhr und der gesellschaftlichen Zeit zu einer chronischen Form von Jetlag führt."

Eulen akkumulieren unter der Woche ein Schlafdefizit und berichten häufiger von geringer Schlafqualität und Müdigkeit während des Tages

"Eulen zeigen die größte Differenz zwischen ihren Schlafzeiten an Arbeits- und an freien Tagen. Es kommt zu einem beträchtlichen Schlafdefizit unter der Woche, das dann am Wochenende ausgeglichen wird. Aber auch Lerchen können unter sozialem Jetlag leiden, wenn sie zum Beispiel an Wochenenden dem Druck der vorwiegenden Eulenfreunde nachgeben, viel zu spät ins Bett kommen und dennoch am nächsten Morgen zur gewohnt frühen Zeit aufwachen." sagt Prof. Dr. Till Roenneberg.

Prof. Dr. Till Roenneberg fasst zusammen: "Wenn die von der Gesellschaft auferlegten Zeitpläne den individuellen Schlafpräferenzen nicht entsprechen, führen die Unterschiede zwischen dem erwarteten Schlafverhalten an Arbeitstagen und dem, was die innere Uhr diktiert, zu einem "social jetlag". Dieser kann weit reichende Folgen für die Gesundheit und die Leistungsfähigkeit der Betroffenen haben. Er ist dem Jetlag vergleichbar, den wir nach Flügen über Zeitzonen erfahren, nur begleitet er die Betroffenen meist ein Leben lang."

Auch das Alter bestimmt den Circadianen Rhythmus

Der Chronotyp beschreibt den Gang der inneren Uhr, also den circadianen Rhythmus gegenüber dem Verlauf des Tages. Ob dieser Rhythmus im Gleichtakt, vor- oder nachgeht, wird maßgeblich von den individuellen Erbanlagen bestimmt.
Doch auch das Alter überlagert einen gewichtigen Anteil. Säuglinge haben mit Ihrem beträchtlichen Schlafbedarf einen vollkommen anderen Schlaf-Wach-Rhythmus als Erwachsene. Bei jungen Menschen ist der circadiane Rhythmus dann eher in Richtung Eule ausgeprägt, also zu langem Schlafen und spätem Gang zu Bett. Ältere Menschen hingegen neigen in Richtung Lerche.

Lichtmangel macht Menschen zu Eulen

In Bezug auf die gesellschaftlich vorgegebenen Zeiten sind jedoch die meisten Menschen eher Eulen. Das liegt weniger an unmenschlich frühen Vorgabezeiten - diese haben sich in den vergangenen Jahren doch eher inRichtung spätem Tagesstart bewegt. Vielmehr ist es die geringe Beleuchtungsstärke an vielen Arbeitsplätzen, in der Mehrzahl der Wohnungen sowie in öffentlichen Gebäuden. Die Lichtstärke ist selbst in gut ausgeleuchteten Räumen mehr als 100 mal schwächer als ein grauer Novembertag.
Schwächeres Licht schafft es nicht, unseren Circadianen Rhythmus zu ausreichend zu beeinflussen - so wird es nie richtig Tag.

"Je stärker der soziale Jetlag, desto mehr greifen Individuen nach Stimulanzien", berichtet Roenneberg. "Desto häufiger sind sie auch Raucher." Letzteres erwies sich als besonders auffälliger Zusammenhang. "Nikotin-, aber auch Alkoholgenuss deuten oft auf Schwierigkeiten hin, mit sozialen Anforderungen fertig zu werden", meint Roenneberg. "Das hat uns zu der Hypothese geführt, dass Schlafprobleme und Nikotinkonsum vor allem dann auftreten, wenn der innere Schlaf-Wach-Rhythmus nicht mit den gesellschaftlichen Zeitplänen übereinstimmt."

Free Tagging (Freies Zuweisen von Kategorien)